Ikonenmalwoche 5. - 12. August 2001 Gschnon
Leitung:
Br. Bernhard Frei und Hubert Piccolruaz (Malen)
Mitschrift Monika Oberhofer, Tramin
Material:
Schmirgelpapier Körnung 80 - 800 (immer geordnet vom groben
80 zum feinen 800!)
Brücke (über das Brett zu legen) nicht zu hoch;
3 Reagenzgläser, 3 Jogurtbecher (Glasbecher), 3
Pipettenflaschen, 2 Filmhülsen;
verschiedene Pinsel aus Marderhaar: 00, 1, 2, 5 langhaarig
spitz;
Stichel und Kratzmesser bzw. Glasfiberstift(!!);
Gummi, Bleistift, Spitzer, Zirkel (fest, mit Sperre);
Patronen 1,0 und 0,7 mit Verlängerung, Lineal, Lupe, Tischlampe, Klebestreifen;
Schürze (passend zur Aufhellung, macht bei Malerinnen
schönes Bild ...);
Farben:
für Eitempera, kleine Löffelchen (vom Eisbecher);
Acrylmilch = Klebemittel für Gold, Anlegemittel;
Gold: immer gleiches Gold kaufen (sonst Probleme beim
Ausbessern, Goldton beachten!); Sturmgold (Schere zum Schneiden mit Alkohol
putzen!); Anlegegold; Muschelgold (besser echte Goldbronze in
Muschelgoldform!);
Breiten Schminkpinsel zum Aufladen an den Haaren, ev.
Niveacreme aufs Gesicht (auf das eigene, bitte!), wenn es nicht funktioniert;
Deckel mit Bienenwachs zum Schützen des Goldes (hart, zum
Drüberstreichen mit dem Pinsel); ev. Abkehrpinsel, um überschüssiges Gold
abzunehmen;
Schellack: im Verkauf wie Gelatineplättchen, wird mit
Alkohol aufgelöst (bleibt problematisch!);
Putzmittel oder Ochsengalle, wenn auf Gold Farbe aufgetragen
wird (Heiligenschein - roter Rand - Schriften) löst Fett. Auch Schmierseife -
oder Speichel (sehr praktisch!).
Achat, um Anlegegold zu glätten;
Saubere Lappen, Küchenkrepp, Schere, Watte.
Zum Leim:
Hasenhautleim (oder Gelatine);
Steinmehl, Champagnerkreide (ev. Bologneserkreide),
Chinakreide (wenig); 1 alter Pinsel zum
Auftragen des Leimes bzw. Kreidemischung aufs Brett, Spachtel;
110 gr. Hautleim (Hasenhautleim ?Totin") in 1 l kaltem Wasser
quellen lassen (24 Stunden), Leim in Wasserbad erwärmen, nicht über 50°;
Leimtränke: Leim mit Wasser verdünnen 1:1 (haben wir in
Gschnon nicht verwendet!);
Poliment: Leim verdünnt 1:4 (für Bolusvergoldung);
Brett:Maße beachten, Linde geht gut. Auf jeden Fall
Holz ohne Harz und gut abgelegen.
Brett kreuz und quer einritzen, 2 x mit Leim streichen,
trocknen lassen; nach der 2. Leimauflage Leinentuch draufleimen, entweder mit
Pinsel oder durch Eintauchen. Auf jeden Fall mit der Hand fest andrücken,
sodass keine Luftblasen bleiben; trocknen lassen!
Wenn gut trocken, mit einer Raspel überschüssiges Leinen von
den Rändern von oben nach unten abraspeln.
Kreidegrund (Levkas):
Brett mit Stichel kreuz und quer ritzen.
Grundleim warm, Kreide einsumpfen (vorsichtig über krummen
Löffel, Blasenbildung vermeiden!), zuerst Steinkreide allein (eine Schicht,
runder Stumpfpinsel);
dann 2 Teile Champagnerkreide (Bologneserkreide, nicht
Gips!), 1 Teil Chinaclay (Chinakreide),
Kreidemischung im Wasserbad erwärmen, Kreidemischung mit
Pinsel auftragen, ca. 3 Schichten täglich, gut vier Stunden Trockenzeit.
Insgesamt etwa 5 bis 7 Schichten, dann spachteln.
Für die oberen Schichten den Kreidebrei magerer halten (1 Schnapsgläschen
Wasser dazu geben). Bei großen Unebenheiten spachteln (2-3 x wenn nötig), viel
Kreide, 15 Minuten warten - spachteln. Spachtel mit warmem Wasser reinigen!
Brett schmirgeln:
Nach einigen Tagen mit Schmirgelklötzchen beginnend mit
Körnung 80, dann weiter mit 120, 220 usw. schmirgeln, zwischendurch Staub
entfernen; weiter schleifen bis zu Körnung 800 (für zu vergoldende Stellen),
mit Handballen polieren!
Bild
erschließen
Zuerst schmirgeln, mit Handballen ca. 15 Minuten glätten,
bis es schön glänzig ist. Ränder ausmessen, Diagonale ziehen. Vorlage auf der
Rückseite mit Farbe (Umbra) anfärben, die Zeichnung exakt übertragen,
klugerweise durchsichtiges Diamantpapier drauflegen, dann hat man jederzeit
eine Vorlage. Nach Abnahme der Skizze werden die Fehler ausgebessert, die
Fläche wird mit wenig Farbpulver (-staub) abgerieben, damit die Riza sichtbar
bleiben.
"Bild erschließen" heißt: die Grundfarben auftragen und
abstimmen. Auch Partien einzeln: Landschaft, Kleider, Inkarnat,
Hintergrund dann abstimmen (am besten mit bereits bestehenden Farben). Rand
braucht viel Farbe, besonders wenn nicht grundiert (Seitenränder).
Farbenbedarf
(ev. bei Schachinger, München
Josef-Spital-Straße 6 - nähe Hauptbahnhof)
Zinkweiß: durchsichtig für Aufhellungen
Titanweiß: deckt
Elfenbeinschwarz (mit Alkohol zu verdünnen)
guten hellen Ocker, feingemahlen wie Mehl
dunklen Ocker
Siena natur
Siena gebrannt (sehr gute Lasierfarbe)
Cadmium rot, das dunkelste (teuer) + Karmin Alizarin (mit
Alkohol zu binden), sehr gute Lasierfähigkeit, ergibt Purpur
Cadmium rot, das hellste
Umbra natur
Umbra grünlich, viel Bindemittel erforderlich - samtig
Caput mortuum (Rand)
Englischrot dunkel wird ziegelbraun, aufzuhellen mit
kadmiumrot
Cadmiumgelb (sehr hell!)
Kobaltblau dunkel
Chromoxydgrün - Chromgrün (warmstichig)
Pompeanrot (Entdeckung Monika! Nicht-TraminerInnen nehmen kadmiumrot) - ganz leicht auf
den Pinsel aufbringen für Wangen und Kinn.
Gelb (z. B. ocker) und schwarz ergibt grün (moosgrün)
Grüne Farben am besten mischen: schwarz/gelb, schwarz/ocker
(stumpf).
Nachtblau: mischen aus schwarz/weiß, oder pariserblau (=
preußischblau)
Kobaltblau + grün+ schwarz gut geeignet fürs Kleid, großer
Bedarf an Bindemittel; grünstichig
Ultramarin (Vorsicht! -
Mischen!)
Pariserblau - für Eitempera nur
geeignet, wenn gut gemischt (Aufhellung mit weiß!).
Schmierprobe:
fertige Farbe mit dem Pinsel auf ein Blatt Papier auftragen, trocknen lassen;
mit dem Finger drüber streichen. Hält die Farbe, kann sie verwendet werden,
verwischt sie, muss noch Eigelb dazu! Wichtig für schöne Händchen: sie können
mit Wasser und Seife gereinigt werden, nie Terpentin oder andere
...
Ei-Emulsion:
verbindet die Pigmente
untereinander. Eigenschaften: trocknet rasch, bindet nach einiger Zeit chemisch
wasserfest, elastisch, hält die Farbe. Ei von ?glücklichen Hühnern", mit
kräftigem Dotter. Dotter von Klar trennen und säubern (in hohler Hand unter fließendem
Wasser), Dottersack wird dann angeritzt und geöffnet, Eigelb ohne Haut in
weithalsige Flasche fließen lassen. Höhe markieren; doppelte Menge Wasser (also
1 : 2), 3 Tropfen Nelkenöl + 30 Tropfen Alkohol
vermischen, gut durchschütteln. Eisschrank, einige Wochen. Wenn faul, ist es
noch immer gut (z.B. blaue Farbe!), wenn zersetzt, unbrauchbar.
Farbtöne:
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Verdunkeln mit:
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Aufhellen
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blau
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Schwarz
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Weiß
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grün
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Schwarz
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Ockergelb
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rot
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Schwarz
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helleres Rot, nicht
Weiß, macht rosa!
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Immer ausreichend Grundfarbe richten, die mit
hellerer Farbe versetzt wird. Bis zuletzt aufbewahren!
Gesichtsfarbe: Inkarnat Mischfarbe:
(Umbra natur +) Ocker hell + etwas Rot + etwas Schwarz. Rotschimmer mit
schwarz wegnehmen. Nicht zu hell (es müssen Aufhellungen draufkommen!).
Viele andere Möglichkeiten!
Maßverhältnisse des Kopfes: Die Länge des
Nasensegments ist die Grundlage der übrigen Proportionen. Mittelpunkt des
Nimbus an der Nasenwurzel; Radius des Nimbus ist 3 x die Länge des
Nasensegments (Wurzel-Spitze); 1 Länge Haaransatz (Stirn), 2. Länge
Kopfrand/Haar und Kinn, 3. Länge äußerer Rand des Heiligenscheins; auf Brauenhöhe
beträgt die Breite des Gesichts ebenfalls die Länge eines Nasensegments, bzw.
auf einer Seite + 1/3 dazu, wenn das Gesicht nicht gänzlich frontal ist. Die
Entfernung von der Nasenspitze zum Kinn beträgt ebenfalls ein Nasensegment,
auch die vom Kinn zum Heiligenschein/Gewandausschnitt! (Insgesamt sind es also
6 Nasensegmente vom Heiligenschein/oben bis zum Heiligenschein/Gewandausschnitt).
Die Nasenspitze liegt auf der Höhe der Ohrläppchen,
Nasenflügel werden leicht nach oben gezogen.
Augen: Damit die Augen freundlich blicken, die
Konturenritze außen nicht ganz schließen. Die Pupille liegt in der Mitte der
Lidlinie und berührt die obere, die Iris sollte aufgehängt sein. Die Iris wird
in der Grundfarbe belassen, der Augapfel wird in der 2. (mittleren)
Aufhellungsfarbe mit ganz feinen Linien gezeichnet. Die Schattierung wird stets
von innen nach außen vorgenommen.
Mund: Mit Lasierfarbe, die etwas mehr Farbe hat, die
Lippen malen. An die unteren Mundwinkel zwei helle Tupfen setzen, das macht den
Mund freundlicher.
Kinn: einen hellen runden Fleck malen, mit der 1.
Aufhellungsfarbe beginnen, bis zur hellsten fortfahren, Ränder verfließen
lassen.
Bart: wird getupft mit trockenem Pinsel und dunkler
Hautfarbe. Den Pinsel solange auf Papier abtupfen, bis er fast trocken ist.
Oder der Bart wird wir das Haar gemacht!
Haare: Zuerst Grundfarbe auftragen, dann die Ritze
mit dunkler Farbe nachmalen (Grundfarbe und Schwarz). Russisch: Haar gleiche
Grundfarbe wie Inkarnat (líçnoe); griechisch: Haare dunkler, eigene Grundfarbe.
Mit 1. Aufhellungsfarbe mit feinem Pinselstrich Haare ziehen. Achtung: die
hellen Striche immer auf der gleichen Seite, entweder unterhalb oder oberhalb
der Riza anbringen. Den Haaransatz fein auslaufen lassen. Haarspitzen beachten,
ebenso Licht und Schatten.
Lichter setzen: Zum Schluss ganz feine Striche auf
die hellsten Stellen setzen (titan/zinkweiß und
hellste Aufhellung, ganz trocken), mit Pompeanrot
(jedes Rot! Nur bitte nicht Rouge als Teint!) Wangen und Kinn antupfen.
Vergolden: Ölvergoldung (Sturmgold). Zuerst ein warme
Farbe auftragen, z. B. Cadmium (zu teuer!), Englischrot, Siena gebrannt, Ockerrot).
Warten, bis die Farbe gut angenommen hat und gut trocken ist, dann mit
Schellack übermalen. Darauf Acrylmilch (nicht über die Ränder streichen!) anbringen.
Nach 20 Minuten Gold auflegen (bei Bolusvergoldung ?anschießen").
Anstatt Acrylmilch kann Mixtion genommen werden (wärmerer Ton, ist besser!),
allerdings hat es 3 bis12 Stunden Trockenzeit (staubfrei; siehe Trockenzeit für
Mixtion, eigens zu kaufen). Das Gold wird mit sauberer Schere (Alkohol) am
Seidenpapier in Stücke geschnitten, schräg, und auf die Fläche gedrückt (Atem
anhalten). Nicht reiben! Das nächste Stück ca. 2 mm (Geizhals! mehr überlappen
lassen!) das vorhergehende überlappend anbringen. Fehler (Lücken) werden
zuletzt ausgebessert mit den Resten, die am Papier haften. Mit sauberem Pinsel
überschüssiges Gold (die 2 mm) abkehren. Mit Glasfiberstift die Ränder wieder
säubern.
Schellack auftragen (2x). Achtung: Pinsel mit Spiritus
auswaschen.
Vergolden mit Muschelgold: Anwendung: feine Striche,
kleine Flächen. Mit feinem Pinsel und sauberem Wasser etwas Muschelgold
aufnehmen und mit dünnen Pinselstrichen auftragen. Vergoldung mit Schellack
schützen. Muschelgold wird erst zum Schluss verwendet, leuchtet wenig, eher
matt.
Vergoldung mit Klebestoff: (Knoblauchsaft,
Feigensaft, Acrylmilch, Schneckenschleim-guten Appetit!). Ev. Farbe drunter
mischen, damit man die Linien sieht. Anwendung wie Muschelgold, Bildteile
anhauchen und Gold auftragen. Überschüssiges Gold wegwischen, mit Schellack
schützen.
Heiligenschein: Querstriche unten auf der Höhe der
unteren Augenränder anbringen, 2 Striche, die nach außen hin sich öffnen,
Abstand zum oberen Strich 4 - 5 cm. Den Längsbalken des Kreuzes zentrieren. Für
den Heiligenschein mit Zirkel rote Tusche, besser jedoch händisch rote Farbe
anbringen.
Mantel: Englischrot, Aufhellungsfarbe Cadmium hell +
Cadmium dunkel.
Oder: kadmiumrot/schwarz, Aufhellung mit hellem rot.
Oder (Purpur!): kadmiumrot und alizarin/krapplackrot
(Spiritustropfen!) mischen, mit schwarz
dunkler machen, aufhellen mit kadmiumrot/dunkel und kadmiumrot/hell. Nicht weiß
(rosa!) und nicht gelb (orange!).
Es ist alles ganz einfach - nur gibt es manchmal Probleme!
Kóvtscheg: bei russischen
Ikonen Vertiefung in der Mitte (nur 3-5 mm). Symbolische Bedeutung
(Fenster), aber vor allem praktisch (Aufstützen von Lineal bzw.
Handstütze).
Größe oft regelmäßig als Bruch (z.B. 18/24, 24/36 usw.),
Dicke der Bretter zwischen 1,8 und 3,5 cm.
Ideales Verhältnis Bild/Rand: Zuerst Diagonale über die Ecken
machen, dann den inneren Rand bestimmen. Wenn der Rand breiter ist, sind
oft die Familienheiligen darauf gemalt.
Äußerer Rand bes. in Russland rot (dunkelrot), aus
symbolischen Überlegungen. Engel: Maria, Engel usw.
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